Homophobie
Unter Homophobie versteht man die irrationale, weil sachlich durch nichts zu begründende Angst vor homosexuellen Menschen und ihren Lebensweisen. Homophobie fasst die verschiedenen Formen von sozialer Ausgrenzung, Diskriminierung, Nichtwahrnehmung und Gewalt zusammen, mit denen Menschen oftmals auf Grund ihrer homosexuellen Lebensweise konfrontiert sind.
Der Begriff wurde in den 70er-Jahren geprägt. Im Gegensatz zu anderen Phobien, z. B. Klaustrophobie, meiden jedoch homophobe Menschen die angstmachende Begegnung nicht, sondern gehen aktiv gegen homosexuelle Menschen und deren Lebensweisen vor. In den 80er-Jahren wurde der Begriff "Heterosexismus" geprägt, der an Stelle des individuellen Aspekts die gesellschaftlich-ideologische Dimension betont, die jede nicht der heterosexuellen Norm entsprechende Lebensform ablehnt und diskriminiert.
Homophobie und Heterosexismus treten in verschiedenen Erscheinungsformen auf. Manifeste körperliche Gewalt gegen homosexuelle Menschen kommt öfter vor als man denkt. Die Täter sind meist jüngere heterosexuelle Männer. Andere Erscheinungsformen sind soziale Ausgrenzung, Diskriminierung, Nichtwahrnehmung und Ignoranz. Etwa zwei Drittel aller Lesben und Schwulen wurden schon einmal an ihrem Arbeitsplatz diskriminiert. Auch die klischeehafte Wahrnehmung von Lesben und Schwulen, die Meinung, homosexuelle Menschen könnten keine Kinder aufziehen oder die Vermischung der Themen Homosexualität mit Missbrauch sind Ausdruck von Homophobie.
Eine subtile Form von Homophobie/Heterosexismus ist weiters, dass Kinder mit homosexueller Orientierung in eine Gesellschaft hineinwachsen müssen, die sie apriori als heterosexuell ansieht und heterosexuell haben will.
Homophob verhalten sich oft auch Institutionen und gesellschaftliche Subsysteme: Die christlichen Kirchen lehnen gelebte Homosexualität ab, die Wissenschaft hat lange Zeit Homosexualität als kriminell und später als krankhaft beschrieben, Politik und Justiz diskriminieren gerade auch in Österreich Lesben und Schwule (Rechtliche Situation), die Medien prägen immer noch lächerliche Klischeevorstellungen über Lesben und Schwule.
Immer wieder wurde die Hypothese diskutiert, dass sich viele Menschen homophob verhalten, weil sie ihre eigenen latenten homosexuellen Anteile ablehnen und so zu bekämpfen versuchen. Bei vielen Gewalttätern konnte dieser Zusammenhang eindeutig nachgewiesen werden.
Eine andere Ursache für homophobes Verhalten ist aber die Tatsache, dass schwule Männer das immer noch gängige patriarchale Männerbild unserer Gesellschaft radikal in Frage stellen. Sie ergänzen das traditionelle Männerbild (Rivalität, Stärke, Durchsetzung, Vernachlässigung der emotionalen Anteile) durch die Dimension der Zärtlichkeit, der Erotik und Sexualität. Dies kann heterosexuelle Männer in ihrem Selbstverständnis verunsichern. Um dieser Unsicherheit zu entgehen, reagieren viele von ihnen homophob.
Zwei Frauen oder zwei Männer, die in einer gleichgeschlechtlichen PartnerInnenschaft leben, müssen ihre Rollen, ihre Macht- und Aufgabenverteilung individuell, partnerschaftlich gestalten und können diese nicht einfach am Geschlecht festmachen. Daher stellen lesbische und schwule Beziehungen die patriarchale Familienstruktur in Frage. Als weitere Ursache von Homophobie/Heterosexismus steht somit die Angst heterosexueller Männer vor dem Verlust ihrer Macht fest.
Kann man denn gegen Homophobie und Heterosexismus nichts tun? Man kann Homophobie bekämpfen, auch wenn das nicht immer einfach ist. Als sinnvoll hat sich Information und Aufklärung erwiesen. Heterosexuelle Menschen und Fachleute in psychosozialen, staatlichen und kirchlichen Organisationen sollten über Lesben und Schwule sowie über deren Lebensformen informiert und zur Auseinandersetzung angeregt werden. Weiters müssen die Hintergründe der Homophobie analysiert und transparent gemacht werden. Traditionelle patriarchale Strukturen müssen kritisch hinterfragt werden, Respekt und Akzeptanz gegenüber andersempfindenden Menschen muss gestärkt werden. Ein guter Weg, dies zu erreichen, ist das Ermöglichen persönlicher Begegnungen, zum Beispiel in berufsspezifischen Weiterbildungsveranstaltungen. Daher bietet die Wiener Antidiskriminierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen solche an.